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Statistik-Glossar

PROCESS-Makro

PROCESS macro · Hayes PROCESS · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter dem PROCESS-Makro?

Das PROCESS-Makro ist ein frei verfügbares Erweiterungswerkzeug für SPSS und SAS, das von Andrew F. Hayes entwickelt wurde und auch als R-Paket verfügbar ist. Es ermöglicht die Schätzung von Mediations-, Moderations- und konditionalen Prozessmodellen (auch bekannt als Moderierte Mediation oder Mediierte Moderation) über eine einheitliche, benutzerfreundliche Oberfläche.

Das Makro basiert auf der Methode der OLS-Regression (Ordinary Least Squares) und nutzt für die Schätzung indirekter Effekte das sogenannte Bootstrap-Verfahren. Dabei werden aus den vorhandenen Daten wiederholt Zufallsstichproben gezogen (typischerweise 5.000 oder 10.000 Wiederholungen), um Konfidenzintervalle für indirekte Effekte zu berechnen – also für Effekte, die über eine dritte Variable (den Mediator) verlaufen.

Das PROCESS-Makro umfasst eine Bibliothek von über 90 vordefinierten Modellnummern, die verschiedene Konstellationen von Mediatoren und Moderatoren abbilden. Modell 4 beispielsweise beschreibt eine einfache Mediation (X → M → Y), Modell 1 eine einfache Moderation (X · W → Y).

Einfach erklärt Stell dir vor, du willst wissen, ob Stress (X) die Leistung (Y) beeinflusst – und ob dieser Effekt über Schlafmangel (M) läuft. Genau das testet das PROCESS-Makro: Es rechnet nicht nur, ob X auf Y wirkt, sondern auch, ob dieser Weg über M verläuft. Und es sagt dir, ob das für alle Menschen gleich gilt oder je nach einer weiteren Variable (z. B. Coping-Strategie) unterschiedlich ist.

Warum ist das PROCESS-Makro für statistische Analysen wichtig?

In vielen Forschungsfeldern – von der Psychologie über die Betriebswirtschaft bis zur Sozialwissenschaft – interessiert man sich nicht nur dafür, ob eine Variable eine andere beeinflusst, sondern wie und unter welchen Bedingungen dieser Einfluss stattfindet. Klassische Regressionsanalysen stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Das PROCESS-Makro schließt diese Lücke.

Besonders wichtig ist das Bootstrap-Verfahren für die Schätzung indirekter Effekte. Traditionelle Methoden (z. B. der Sobel-Test) setzen eine Normalverteilung des indirekten Effekts voraus – eine Annahme, die in der Praxis oft nicht erfüllt ist. Das Bootstrap-Konfidenzintervall ist robuster und gilt heute als Standardmethode in der empirischen Forschung.

Gut zu wissen Das PROCESS-Makro schätzt standardmäßig sogenannte Bias-korrigierte und beschleunigte Konfidenzintervalle (BCa-Intervalle). Schließt das Intervall die Null nicht ein, gilt der indirekte Effekt als statistisch bedeutsam – ein direkter p-Wert wird für indirekte Effekte hingegen nicht ausgegeben.

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Mediation und Kausalität: Das PROCESS-Makro kann statistische Muster in Daten aufdecken, aber keine Kausalität beweisen. Kausalaussagen erfordern ein geeignetes Studiendesign (z. B. Experiment oder Längsschnittstudie).

Häufiger Fehler Viele Forschende wählen die Modellnummer im PROCESS-Makro nach dem Zufallsprinzip oder orientieren sich an Beispielen aus Lehrbüchern, ohne zu prüfen, ob das Modell zur eigenen Fragestellung passt. Die Wahl der Modellnummer sollte immer auf der theoretischen Grundlage der Studie basieren – nicht auf Bequemlichkeit.

Praxisbeispiel zum PROCESS-Makro

Eine Psychologiestudentin untersucht in ihrer Bachelorarbeit, ob soziale Unterstützung (X) das Wohlbefinden (Y) beeinflusst und ob dieser Zusammenhang über das Selbstwertgefühl (M) vermittelt wird. Sie vermutet also eine Mediation: Soziale Unterstützung → Selbstwertgefühl → Wohlbefinden.

Sie wählt in SPSS das PROCESS-Makro Modell 4 (einfache Mediation), gibt X, M und Y ein und lässt 5.000 Bootstrap-Stichproben berechnen.

Tabelle 1. Beispielhafte Ergebnisse einer einfachen Mediationsanalyse (Modell 4)
Pfad Koeffizient b 95 %-KI (Bootstrap) Interpretation
X → M (a-Pfad) 0.42 [0.28, 0.56] Unterstützung erhöht Selbstwert
M → Y (b-Pfad) 0.35 [0.19, 0.51] Selbstwert erhöht Wohlbefinden
Indirekter Effekt (a·b) 0.15 [0.07, 0.25] Signifikante Mediation (KI enthält keine 0)
Direkter Effekt (c‘) 0.09 [−0.04, 0.22] Nicht signifikant (KI enthält 0)

Da das Konfidenzintervall des indirekten Effekts die Null nicht einschließt, kann die Studentin schlussfolgern, dass Selbstwertgefühl den Effekt sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden vollständig mediiert – der direkte Effekt ist nicht mehr bedeutsam, sobald der Mediator im Modell berücksichtigt wird.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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