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Statistik-Glossar

Quartil

Englisch: Quartile · Auch: Viertelwert · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Quartil?

Quartile sind Lagemaße, die einen geordneten Datensatz in vier gleich große Teile unterteilen. Dazu werden drei Trennwerte berechnet:

  • Q1 (erstes Quartil / unteres Quartil): 25 % der Werte liegen unterhalb, 75 % darüber.
  • Q2 (zweites Quartil / Median): 50 % der Werte liegen unterhalb, 50 % darüber.
  • Q3 (drittes Quartil / oberes Quartil): 75 % der Werte liegen unterhalb, 25 % darüber.

Formal handelt es sich bei Quartilen um spezielle Quantile: Q1 entspricht dem 0,25-Quantil, Q2 dem 0,50-Quantil und Q3 dem 0,75-Quantil. Um Quartile zu berechnen, werden die Daten zunächst der Größe nach sortiert. Anschließend werden die Positionen der Trennwerte bestimmt – je nach verwendeter Berechnungsmethode (es existieren mehrere Varianten) kann das Ergebnis leicht variieren.

Die Differenz zwischen dem dritten und dem ersten Quartil wird als Interquartilsabstand (IQR) bezeichnet:

Formel: Interquartilsabstand

Einfach erklärt Stell dir vor, du sortierst alle Werte deines Datensatzes vom kleinsten zum größten. Quartile sind dann die Markierungen bei einem Viertel, der Hälfte und drei Vierteln dieser sortierten Reihe – ähnlich wie Meilensteine auf einem Weg, die ihn in vier gleich lange Abschnitte teilen.

Warum ist Quartil für statistische Analysen wichtig?

Quartile gehören zur deskriptiven Statistik und helfen dabei, die Verteilung und Streuung von Daten schnell zu erfassen – ohne dass einzelne Extremwerte das Bild verzerren. Das macht sie besonders wertvoll, wenn Daten schief verteilt sind oder Ausreißer enthalten.

In der Praxis werden Quartile unter anderem für folgende Zwecke eingesetzt:

  • Boxplots: Die grafische Darstellung mit Box und Whiskers basiert vollständig auf Q1, Q2, Q3 und dem IQR.
  • Ausreißererkennung: Werte, die mehr als das 1,5-fache des IQR unterhalb von Q1 oder oberhalb von Q3 liegen, gelten als potenzielle Ausreißer.
  • Gruppenvergleiche: Quartile ermöglichen einen robusten Vergleich von Verteilungen zwischen verschiedenen Gruppen.
  • Einkommens- und Sozialstatistik: Quartile werden häufig genutzt, um Bevölkerungsgruppen nach Einkommen oder anderen Merkmalen einzuteilen.
Häufiger Fehler Quartile werden oft mit Quartalen (zeitliche Viertel eines Jahres) verwechselt. In der Statistik bezeichnen Quartile ausschließlich Trennwerte in einem Datensatz – sie haben keinen zeitlichen Bezug.
Gut zu wissen Im Gegensatz zum Mittelwert sind Quartile robust gegenüber Ausreißern. Ein einzelner extremer Wert verschiebt Q1 oder Q3 kaum, während er den Mittelwert stark beeinflussen kann. Für schief verteilte Daten – etwa Gehälter oder Reaktionszeiten – sind Quartile daher oft aussagekräftiger.

Praxisbeispiel zu Quartil

Eine Psychologiestudentin untersucht die wöchentliche Bildschirmzeit (in Stunden) von 10 Studierenden. Die Rohdaten lauten:

12, 7, 25, 18, 9, 31, 14, 22, 10, 17

Zunächst werden die Werte sortiert:

7, 9, 10, 12, 14, 17, 18, 22, 25, 31

Tabelle 1. Quartile der wöchentlichen Bildschirmzeit (n = 10)
Kennwert Wert (Stunden) Interpretation
Minimum 7 Niedrigste Bildschirmzeit
Q1 (25 %) 10 25 % der Studierenden haben ≤ 10 Stunden
Q2 / Median (50 %) 15,5 Hälfte liegt unter, Hälfte über diesem Wert
Q3 (75 %) 22 75 % der Studierenden haben ≤ 22 Stunden
Maximum 31 Höchste Bildschirmzeit
IQR (Q3 − Q1) 12 Streuung der mittleren 50 % der Daten

Der IQR beträgt 22 − 10 = 12 Stunden. Ein Wert würde als Ausreißer gelten, wenn er mehr als 1,5 × 12 = 18 Stunden unterhalb von Q1 (also unter −8) oder oberhalb von Q3 (also über 40) liegt. Da kein Wert diese Grenzen überschreitet, enthält der Datensatz hier keine statistischen Ausreißer. Der Wert 31 wirkt zwar hoch, liegt aber noch im normalen Bereich.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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