Seit 2019 im DACH-RaumSeit 2019
50+ Statistik-Experten50+ Experten
Über 1.200 Projekte1.200+ Projekte
Alle StatistikprogrammeAlle Programme
Express möglichExpress

Statistik-Glossar

Regression Discontinuity Design

RDD · Regressions-Diskontinuitätsdesign · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Regression Discontinuity Design?

Das Regression Discontinuity Design (RDD) ist ein quasi-experimentelles Forschungsdesign zur Schätzung kausaler Effekte. Es nutzt eine klar definierte Schwelle – den sogenannten Cutoff – in einer kontinuierlichen Zuweisungsvariablen (auch Running Variable oder Forcing Variable genannt), um eine Behandlungs- und eine Kontrollgruppe zu trennen.

Einheiten, deren Wert auf der Zuweisungsvariablen knapp oberhalb des Cutoffs liegt, erhalten die Behandlung; Einheiten knapp unterhalb nicht. Der kausale Effekt wird dann als der sprunghafte Unterschied im Erwartungswert der Ergebnisvariablen unmittelbar an diesem Schwellenwert geschätzt:

Lokaler Behandlungseffekt am Cutoff

Dabei bezeichnet die Zuweisungsvariable und den Cutoff-Wert. Entscheidend ist die Annahme, dass alle anderen relevanten Einflussfaktoren am Cutoff stetig verlaufen – also keinen eigenen Sprung aufweisen. Nur dann ist der beobachtete Sprung in der Ergebnisvariablen kausal auf die Behandlung zurückzuführen.

Man unterscheidet zwei Grundformen:

  • Sharp RDD: Die Zuweisung zur Behandlung ist am Cutoff deterministisch – wer die Schwelle überschreitet, wird mit Sicherheit behandelt.
  • Fuzzy RDD: Der Cutoff erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Behandlung lediglich deutlich, bestimmt sie aber nicht vollständig. Hier wird der Cutoff als Instrument für die tatsächliche Behandlungsaufnahme verwendet (ähnlich einer Instrumentalvariablen-Schätzung).
Einfach erklärt: Stell dir vor, ein Stipendium wird nur an Studierende vergeben, die in einem Test mindestens 60 von 100 Punkten erreichen. Wer 59 Punkte hat, bekommt es nicht; wer 60 hat, schon. Beide Gruppen sind sich sehr ähnlich – nur der eine hat die Schwelle knapp verfehlt, der andere knapp überschritten. Den Unterschied im späteren Studienerfolg zwischen diesen beiden Gruppen kannst du dann fast so interpretieren, als hättest du ein kontrolliertes Experiment durchgeführt.

Warum ist Regression Discontinuity Design für statistische Analysen wichtig?

In vielen Forschungskontexten ist ein echtes randomisiertes Experiment aus ethischen, logistischen oder finanziellen Gründen nicht durchführbar. Das RDD bietet hier eine glaubwürdige Alternative: Weil die Zuweisung ausschließlich von einer messbaren Schwelle abhängt, ist die Selektion in Behandlungs- und Kontrollgruppe transparent und nachvollziehbar. Unter der zentralen Stetigkeitsannahme liefert das RDD lokal – das heißt für Einheiten nahe am Cutoff – kausale Schätzungen.

Dieser lokale Charakter ist ein wichtiger Punkt: Das RDD schätzt keinen durchschnittlichen Behandlungseffekt für die gesamte Population, sondern einen Local Average Treatment Effect (LATE) für jene Einheiten, die sich unmittelbar an der Schwelle befinden. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Einheiten weit außerhalb des Cutoffs verallgemeinern.

Häufiger Fehler: Eine der häufigsten Schwachstellen in RDD-Studien ist die sogenannte Manipulation der Zuweisungsvariablen. Wenn Individuen wissen, dass ein bestimmter Schwellenwert entscheidend ist, und sie die Möglichkeit haben, ihren Wert auf der Running Variable gezielt zu beeinflussen (z. B. gerade noch 60 Punkte zu erreichen), ist die Vergleichbarkeit der Gruppen nicht mehr gegeben. Dieser Effekt wird mit dem McCrary-Dichtetest überprüft: Ein auffälliger Sprung in der Dichtefunktion der Zuweisungsvariablen am Cutoff deutet auf Manipulation hin.
Gut zu wissen: Die Wahl der Bandbreite – also wie weit rechts und links vom Cutoff Beobachtungen in die Schätzung einfließen – ist eine zentrale methodische Entscheidung. Eine zu große Bandbreite verletzt möglicherweise die Linearitätsannahme; eine zu kleine erhöht die Varianz der Schätzung. In der Praxis wird häufig der datengetriebene Ansatz nach Calonico, Cattaneo und Titiunik (CCT) zur optimalen Bandbreitenwahl eingesetzt.

Praxisbeispiel zu Regression Discontinuity Design

Ein klassisches Anwendungsbeispiel stammt aus der Bildungsforschung. Angenommen, eine Universität vergibt ein Leistungsstipendium an alle Studierenden, die am Ende des ersten Semesters einen Notendurchschnitt von mindestens 1,7 erreichen. Du möchtest wissen: Verbessert das Stipendium den späteren Studienerfolg – gemessen am Abschlussnotendurchschnitt?

Du beobachtest nun Studierende knapp unterhalb (z. B. Durchschnitt 1,8 bis 1,71) und knapp oberhalb (z. B. 1,70 bis 1,60) des Cutoffs. Beide Gruppen unterscheiden sich in ihren Eingangsvoraussetzungen kaum – sie haben nur knapp die Schwelle verfehlt oder überschritten.

Tabelle 1. Schematischer Vergleich der Gruppen am Cutoff
Gruppe Notendurchschnitt (Semester 1) Stipendium erhalten Abschlussnote (Ø)
Knapp unterhalb Cutoff 1,71 – 1,80 Nein 2,10
Knapp oberhalb Cutoff 1,60 – 1,70 Ja 1,85

Der Sprung in der Abschlussnote von 2,10 auf 1,85 direkt am Cutoff würde im RDD-Framework als kausaler Effekt des Stipendiums interpretiert – vorausgesetzt, alle anderen Einflussfaktoren verlaufen stetig über die Schwelle hinweg. Du würdest also schlussfolgern, dass das Stipendium die Abschlussnote im Durchschnitt um 0,25 Notenpunkte verbessert – zumindest für Studierende nahe des Cutoffs.

Kausalinferenz Quasi-Experiment RDD Behandlungseffekt LATE Instrumentalvariable Beobachtungsstudie Bildungsforschung

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Maximilian Fuchs, M. Sc.

Teilen Sie uns mit, wie wir Ihnen helfen können.

  • Persönlicher Ansprechpartner
  • Schnelle Rückmeldung
  • Transparente Preise
  • Schutz Ihrer Daten

Fragen? Einfach anrufen!