RMSEA
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Was versteht man unter RMSEA?
Der RMSEA (Root Mean Square Error of Approximation) ist ein Maß zur Beurteilung der Modellpassung (Model Fit) in der konfirmatorischen Faktorenanalyse (KFA) und in Strukturgleichungsmodellen (SEM). Er gibt an, wie stark das theoretisch angenommene Modell von den tatsächlich beobachteten Daten abweicht – und zwar unter Berücksichtigung der Modellkomplexität.
Der RMSEA basiert auf dem Chi-Quadrat-Wert des Modells, der Anzahl der Freiheitsgrade (df) und dem Stichprobenumfang (N). Die Grundformel lautet:
Formel: RMSEA
Dabei steht für den Chi-Quadrat-Wert des Modells, für die Freiheitsgrade und für den Stichprobenumfang. Ist der Ausdruck unter der Wurzel negativ, wird der RMSEA auf 0 gesetzt.
Für die Bewertung des RMSEA hat sich in der Praxis folgende grobe Orientierung etabliert:
| RMSEA-Wert | Interpretation |
|---|---|
| ≤ .050 | Sehr guter bis guter Modellfit |
| .051 – .080 | Akzeptabler Modellfit |
| .081 – .100 | Mäßiger Modellfit |
| > .100 | Schlechter Modellfit |
Warum ist RMSEA für statistische Analysen wichtig?
In Strukturgleichungsmodellen und konfirmatorischen Faktorenanalysen reicht ein einzelner Fitindex nie aus, um die Modellgüte vollständig zu beurteilen. Der RMSEA ist dabei aus mehreren Gründen besonders wertvoll:
- Stichprobenunabhängigkeit: Anders als der Chi-Quadrat-Test reagiert der RMSEA weniger empfindlich auf sehr große Stichproben. Bei großem N tendiert der Chi-Quadrat-Test dazu, auch kleine, praktisch bedeutungslose Abweichungen als signifikant auszuweisen. Der RMSEA relativiert das.
- Sparsamkeitsprinzip: Der RMSEA berücksichtigt die Freiheitsgrade des Modells. Komplexere Modelle mit mehr geschätzten Parametern werden damit nicht automatisch bevorzugt.
- Konfidenzintervall: Für den RMSEA lässt sich ein 90-%-Konfidenzintervall berechnen. Ein enges Intervall mit Obergrenze unter .080 spricht für einen stabilen, akzeptablen Fit.
Praxisbeispiel zu RMSEA
Eine Studierende untersucht in ihrer Masterarbeit, ob sich Burnout durch drei latente Faktoren beschreiben lässt: emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit. Sie schätzt ein konfirmatorisches Faktorenmodell auf Basis einer Stichprobe von N = 350 Personen.
Die Ausgabe ihrer Software (z. B. R mit dem Paket lavaan) liefert folgende Fit-Kennwerte:
| Kennwert | Wert | Bewertung |
|---|---|---|
| Chi-Quadrat (df = 51) | 87.4 | Signifikant (p < .001) |
| RMSEA | .045 | Guter Fit |
| 90-%-KI des RMSEA | [.028, .061] | Akzeptabel bis gut |
| CFI | .96 | Guter Fit |
Obwohl der Chi-Quadrat-Test signifikant ist – was bei N = 350 kaum überrascht –, liegt der RMSEA mit .045 deutlich unter der .050-Grenze. Das 90-%-Konfidenzintervall schließt Werte bis .061 ein, was noch im akzeptablen Bereich liegt. Zusammen mit dem CFI von .96 kann die Studierende den Modellfit als gut bis akzeptabel einordnen und das dreifaktorielle Burnout-Modell als plausibel berichten.