Scheffé-Test
In diesem Beitrag
Was versteht man unter dem Scheffé-Test?
Der Scheffé-Test ist ein Post-hoc-Verfahren in der Varianzanalyse (ANOVA). Er wird eingesetzt, nachdem ein signifikanter F-Test gezeigt hat, dass sich mindestens zwei Gruppen unterscheiden – um dann gezielt zu prüfen, welche Gruppen sich konkret voneinander unterscheiden.
Das Besondere am Scheffé-Test ist sein Anwendungsbereich: Er erlaubt nicht nur den Vergleich einzelner Gruppenpaare, sondern auch den Test beliebiger linearer Kontraste – also jeder gewichteten Kombination von Gruppenmittelwerten. Ein linearer Kontrast hat dabei die Form:
Linearer Kontrast
wobei die Gruppengewichte sind, für die gilt: . Der Scheffé-Test kontrolliert dabei das familywise error rate (FWER) – also die Wahrscheinlichkeit, unter allen gleichzeitig durchgeführten Tests mindestens einen fälschlicherweise als signifikant auszuweisen – auf dem gewählten Niveau (üblicherweise α = 0,05).
Die kritische Prüfgröße für einen Kontrast basiert auf dem F-Wert der ANOVA und der Anzahl der Gruppen k:
Kritischer Wert des Scheffé-Tests
Warum ist der Scheffé-Test für statistische Analysen wichtig?
Wenn eine ANOVA ein signifikantes Ergebnis liefert, weiß man zunächst nur, dass sich irgendetwas unterscheidet. Um konkrete Aussagen über Gruppenunterschiede zu treffen, braucht man Post-hoc-Tests. Der Scheffé-Test ist hier aus mehreren Gründen relevant:
- Maximale Flexibilität bei Kontrasten: Anders als viele andere Post-hoc-Tests (z. B. Tukey-HSD oder Bonferroni) erlaubt der Scheffé-Test auch komplexe Vergleiche, etwa Gruppen gegen Gruppenverbünde oder gewichtete Mittelwertkombinationen.
- Konservative Fehlerkorrektur: Der Scheffé-Test gilt als besonders streng. Er hält das Signifikanzniveau zuverlässig ein, auch wenn sehr viele Kontraste getestet werden.
- Robustheit bei ungleichen Gruppengrößen: Der Test funktioniert auch bei unterschiedlich großen Stichproben gut.
Praxisbeispiel zu Scheffé-Test
Eine Ernährungswissenschaftlerin untersucht, ob drei verschiedene Diäten (Diät A, B und C) unterschiedliche Auswirkungen auf den Gewichtsverlust (in kg) nach 8 Wochen haben. Sie führt zunächst eine einfaktorielle ANOVA durch – das Ergebnis ist signifikant (p = 0,02). Um herauszufinden, welche Gruppen sich unterscheiden, wendet sie den Scheffé-Test an.
| Gruppe | n | Mittlerer Gewichtsverlust (kg) |
|---|---|---|
| Diät A | 20 | 3,2 |
| Diät B | 20 | 5,8 |
| Diät C | 20 | 4,5 |
Der Scheffé-Test vergleicht nun alle paarweisen Kontraste:
- Diät A vs. Diät B → signifikant (p = 0,03)
- Diät A vs. Diät C → nicht signifikant (p = 0,18)
- Diät B vs. Diät C → nicht signifikant (p = 0,09)
Zusätzlich möchte die Forscherin wissen, ob Diät A schlechter abschneidet als der Durchschnitt aus Diät B und C zusammen. Sie testet den Kontrast: Diät A vs. (0,5 · Diät B + 0,5 · Diät C) – ein komplexer Vergleich, den viele andere Post-hoc-Tests gar nicht erlauben. Der Scheffé-Test kann diesen Kontrast direkt prüfen und liefert hier ebenfalls ein signifikantes Ergebnis (p = 0,04).
Das Fazit: Diät B führt zu einem signifikant höheren Gewichtsverlust als Diät A, und Diät A ist auch schwächer als der kombinierte Mittelwert der anderen beiden Diäten.