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Statistik-Glossar

Scree-Plot

Scree Plot · Eigenwertdiagramm · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter einem Scree-Plot?

Ein Scree-Plot ist ein Liniendiagramm, das im Rahmen einer Faktorenanalyse oder Hauptkomponentenanalyse (PCA) eingesetzt wird, um die Anzahl der zu extrahierenden Faktoren oder Hauptkomponenten zu bestimmen. Auf der x-Achse werden die Faktoren bzw. Komponenten in absteigender Reihenfolge aufgetragen, auf der y-Achse die dazugehörigen Eigenwerte. Eigenwerte geben an, wie viel Varianz ein Faktor in den Daten erklärt – je größer der Eigenwert, desto mehr Varianz deckt dieser Faktor ab.

Der Name „Scree“ stammt aus dem Englischen und bezeichnet das Geröll am Fuß eines Berges. Das Bild ist treffend: Die Kurve im Diagramm fällt zunächst steil ab und flacht dann – ähnlich wie ein Berghang mit vorgelagertem Geröll – zunehmend ab. Der Punkt, an dem dieser Knick (elbow) auftritt, gilt als Orientierungspunkt für die Entscheidung, wie viele Faktoren sinnvoll sind.

Einfach erklärt Stell dir vor, du hast viele Variablen in deinem Datensatz und möchtest wissen, wie viele „übergeordnete Themen“ (Faktoren) wirklich wichtig sind. Der Scree-Plot zeigt dir das als Kurve: Dort, wo die Kurve aufhört steil zu fallen und anfängt flach zu werden, befinden sich die Faktoren, die du noch mitnehmen solltest. Alles danach erklärt kaum noch etwas Neues.

Warum ist der Scree-Plot für statistische Analysen wichtig?

In der Faktorenanalyse und PCA steht man immer vor der Frage: Wie viele Faktoren soll ich extrahieren? Zu wenige Faktoren und man verliert wichtige Informationen; zu viele Faktoren und das Modell wird unnötig komplex und schwer interpretierbar. Der Scree-Plot bietet eine visuelle Entscheidungshilfe, die intuitiv zugänglich ist.

Die klassische Auswertungsregel lautet: Faktoren links des Knicks (also die steil abfallenden) werden beibehalten, Faktoren im flachen „Geröll“-Bereich werden verworfen. Diese Vorgehensweise geht auf Raymond Cattell (1966) zurück und wird häufig in Kombination mit dem Kaiser-Kriterium (Eigenwert > 1) genutzt.

Häufiger Fehler Der Scree-Plot ist ein visuelles Hilfsmittel – der Knick ist nicht immer eindeutig erkennbar. Besonders bei realen Datensätzen kann die Kurve mehrere potenzielle Knicke aufweisen oder sehr gleichmäßig abflachen. In solchen Fällen sollte der Scree-Plot nicht als alleiniges Entscheidungskriterium verwendet werden, sondern durch weitere Methoden wie parallele Analyse oder inhaltliche Überlegungen ergänzt werden.
Gut zu wissen Als modernere Alternative zum Scree-Plot gilt die Parallele Analyse (Horn, 1965). Dabei werden die empirischen Eigenwerte mit zufällig generierten Datensätzen verglichen. Nur Faktoren, deren Eigenwert über dem zufallserwarteten Eigenwert liegt, werden extrahiert. Diese Methode gilt als statistisch robuster als der rein visuelle Scree-Plot.

Praxisbeispiel zu Scree-Plot

Eine Psychologiestudentin entwickelt einen Fragebogen zur Messung von Persönlichkeitseigenschaften mit 20 Items. Sie möchte wissen, ob sich diese Items auf wenige übergeordnete Faktoren reduzieren lassen, und führt eine explorative Faktorenanalyse durch. Die dabei berechneten Eigenwerte der ersten acht Faktoren lauten:

Tabelle 1. Eigenwerte der ersten acht Faktoren
Faktor Eigenwert
1 5,82
2 3,41
3 2,07
4 1,05
5 0,91
6 0,74
7 0,68
8 0,61

Im Scree-Plot ist zwischen Faktor 4 und Faktor 5 ein deutlicher Knick erkennbar: Die Kurve fällt von Faktor 1 bis Faktor 4 noch spürbar ab, verläuft danach aber nahezu flach. Die Studentin entscheidet sich daher, vier Faktoren zu extrahieren. Dieses Ergebnis stimmt in diesem Fall auch mit dem Kaiser-Kriterium überein, da die ersten vier Faktoren Eigenwerte größer als 1,0 aufweisen.

Sie überprüft ihre Entscheidung anschließend inhaltlich: Die vier Faktoren lassen sich sinnvoll als Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit interpretieren – ein klares Zeichen, dass die gewählte Faktorenanzahl auch inhaltlich plausibel ist.

Faktorenanalyse Hauptkomponentenanalyse Eigenwerte Dimensionsreduktion Explorative Analyse Kaiser-Kriterium Parallele Analyse

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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