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Statistik-Glossar

Sensitivität

Sensitivity · True Positive Rate · Recall · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Sensitivität?

Die Sensitivität ist ein Maß dafür, wie gut ein Test oder ein Klassifikationsmodell tatsächlich positive Fälle korrekt erkennt. Formal ist sie definiert als der Anteil der richtig positiv erkannten Fälle an allen tatsächlich positiven Fällen:

Formel: Sensitivität

Dabei steht TP (True Positives) für die Anzahl der Fälle, die korrekt als positiv klassifiziert wurden, und FN (False Negatives) für die Fälle, die fälschlicherweise als negativ eingestuft wurden, obwohl sie positiv sind. Die Sensitivität wird auch als True Positive Rate oder Recall bezeichnet und nimmt Werte zwischen 0 und 1 an – je näher an 1, desto besser erkennt der Test positive Fälle.

Einfach erklärt Stell dir vor, du möchtest alle kranken Personen in einer Gruppe aufspüren. Die Sensitivität sagt dir: Von allen tatsächlich kranken Personen – wie viele hat dein Test auch wirklich als krank erkannt? Eine hohe Sensitivität bedeutet: Kaum ein kranker Fall geht durch das Raster.

Warum ist Sensitivität für statistische Analysen wichtig?

Die Sensitivität spielt überall dort eine zentrale Rolle, wo es besonders folgenreich ist, einen positiven Fall zu übersehen. In der Medizin etwa kann ein nicht erkannter Krankheitsfall gravierende Konsequenzen haben – ein Krebstest mit niedriger Sensitivität würde viele Erkrankte als gesund einstufen und damit lebensrettende Behandlungen verzögern.

Gleichzeitig ist die Sensitivität nie isoliert zu betrachten. Sie steht in einem typischen Zielkonflikt mit der Spezifität – dem Maß dafür, wie gut ein Test negative Fälle korrekt erkennt. Wird ein Schwellenwert so gesetzt, dass mehr positive Fälle erkannt werden (hohe Sensitivität), steigt gleichzeitig oft die Rate der falsch positiven Befunde (niedrigere Spezifität). Dieses Verhältnis lässt sich grafisch in einer ROC-Kurve darstellen.

Häufiger Fehler Sensitivität und Spezifität werden oft miteinander verwechselt oder gleichgesetzt. Sensitivität bezieht sich immer auf die tatsächlich positiven Fälle – sie sagt nichts darüber aus, wie verlässlich ein positives Testergebnis wirklich ist. Dafür wäre der Positive Prädiktive Wert (PPV) die richtige Kennzahl.

Für Forschende ist es deshalb wichtig, je nach Fragestellung bewusst zu entscheiden, welche Gütekriterien priorisiert werden. In einem Screening-Kontext steht oft die Sensitivität im Vordergrund, während bei der Bestätigungsdiagnostik häufig die Spezifität wichtiger ist.

Praxisbeispiel zu Sensitivität

Ein neuer Schnelltest soll eine bestimmte Infektionskrankheit erkennen. Er wird an 200 Personen erprobt, von denen 80 tatsächlich erkrankt sind. Das Ergebnis:

Tabelle 1. Testergebnisse des Schnelltests (n = 200)
Tatsächlich krank Tatsächlich gesund
Test positiv 68 (TP) 12 (FP)
Test negativ 12 (FN) 108 (TN)

Die Sensitivität berechnet sich wie folgt:

Berechnung

Der Test erkennt also 85 % der tatsächlich erkrankten Personen korrekt. 15 % der Kranken würden hingegen fälschlicherweise als gesund eingestuft (False Negatives). Je nach klinischem Kontext wäre zu diskutieren, ob diese Fehlerrate akzeptabel ist oder ob ein sensitiverer Test benötigt wird.

Gut zu wissen Für eine vollständige Beurteilung eines Tests sollte die Sensitivität immer gemeinsam mit der Spezifität, dem positiven und negativen Prädiktiven Wert sowie der Prävalenz der untersuchten Erkrankung betrachtet werden.

Sensitivität Spezifität True Positive Rate Klassifikation Diagnostik ROC-Kurve Gütekriterien Konfusionsmatrix

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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