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Statistik-Glossar

Sphärizität

Sphericity · Mauchly-Voraussetzung · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Sphärizität?

Sphärizität ist eine statistische Voraussetzung für die einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung (repeated-measures ANOVA). Sie ist dann erfüllt, wenn die Varianzen aller paarweisen Differenzen zwischen den Messzeitpunkten (oder Bedingungen) gleich sind.

Formal bedeutet das: Wenn man alle möglichen Paare von Messzeitpunkten bildet und für jede Person die Differenz berechnet, sollten diese Differenzwerte über alle Paare hinweg eine gleiche Varianz aufweisen. Gibt es beispielsweise drei Messzeitpunkte T1, T2 und T3, müssen folgende drei Differenzvarianzen ungefähr gleich sein:

  • Varianz der Differenzen (T1 − T2)
  • Varianz der Differenzen (T1 − T3)
  • Varianz der Differenzen (T2 − T3)

Geprüft wird die Sphärizität in der Regel mit dem Mauchly-Test. Ein nicht-signifikantes Ergebnis (p > .05) spricht dafür, dass die Sphärizität angenommen werden kann.

Einfach erklärt Stell dir vor, du misst das Stressniveau von Studierenden zu drei Zeitpunkten: vor, während und nach der Prüfungsphase. Sphärizität bedeutet dann: Die Unterschiede zwischen je zwei Zeitpunkten sind bei allen Paaren ähnlich stark gestreut – also mal zwischen Zeitpunkt 1 und 2, mal zwischen 2 und 3, mal zwischen 1 und 3. Wenn ein Paar viel stärker streut als die anderen, ist die Voraussetzung verletzt.

Warum ist Sphärizität für statistische Analysen wichtig?

Die Sphärizität ist deshalb so relevant, weil die repeated-measures ANOVA auf dieser Annahme aufbaut. Ist sie verletzt, sind die berechneten F-Werte zu groß und die zugehörigen p-Werte zu klein – das Verfahren schlägt also zu häufig an und meldet fälschlicherweise signifikante Effekte (Typ-I-Fehler-Inflation).

Wenn der Mauchly-Test signifikant ausfällt (p < .05), sollte die Sphärizität nicht einfach ignoriert werden. In diesem Fall stehen zwei gängige Korrekturen zur Verfügung:

Beide Korrekturen reduzieren die Freiheitsgrade, wodurch der kritische F-Wert steigt und das Ergebnis konservativer wird.

Häufiger Fehler Viele berichten den Mauchly-Test zwar, wechseln bei einer Verletzung aber trotzdem nicht zur korrigierten Variante – oder sie korrigieren automatisch, ohne den Epsilon-Wert zu prüfen und die passende Korrektur zu wählen. Beides kann die Ergebnisse verzerren.
Gut zu wissen Bei nur zwei Messzeitpunkten ist die Sphärizitätsannahme automatisch erfüllt, da es nur ein einziges Differenzpaar gibt. Der Mauchly-Test ist in diesem Fall nicht nötig und wird von Statistiksoftware wie SPSS oder R in der Regel auch nicht ausgegeben.

Praxisbeispiel zu Sphärizität

Eine Forscherin untersucht, ob sich die Konzentrationsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern über drei Unterrichtsstunden hinweg verändert (Stunde 1, Stunde 2, Stunde 3). Sie setzt eine repeated-measures ANOVA ein und führt zunächst den Mauchly-Test durch.

Tabelle 1. Exemplarische Ergebnisse des Mauchly-Tests und Epsilon-Schätzwerte
Mauchly W p-Wert Greenhouse-Geisser ε Huynh-Feldt ε
0.71 .03 0.78 0.89

Der Mauchly-Test ist signifikant (p = .03), die Sphärizität ist also verletzt. Da der Greenhouse-Geisser-Epsilon-Wert mit 0,78 über 0,75 liegt, entscheidet sich die Forscherin für die Huynh-Feldt-Korrektur. Sie berichtet in ihrer Arbeit dann nicht die unkorrigierten, sondern die korrigierten Freiheitsgrade und den entsprechenden p-Wert – und dokumentiert diese Entscheidung transparent in ihrem Methodenteil.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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