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Statistik-Glossar

Stationarität

Stationarity / Stationärer Prozess · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Stationarität?

Stationarität ist eine grundlegende Eigenschaft von Zeitreihen. Eine Zeitreihe gilt als schwach stationär (auch: kovarianzstationär), wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

  • Der Erwartungswert ist konstant über die Zeit:
  • Die Varianz ist endlich und konstant über die Zeit:
  • Die Autokovarianz zwischen zwei Zeitpunkten hängt nur vom zeitlichen Abstand (Lag) ab, nicht von der absoluten Position in der Zeit:

Daneben existiert das strengere Konzept der starken Stationarität: Hier muss die gesamte gemeinsame Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zeitreihe zeitinvariant sein – nicht nur Mittelwert und Varianz. In der Praxis ist schwache Stationarität jedoch die deutlich gebräuchlichere Anforderung.

Einfach erklärt Stell dir eine Zeitreihe wie den Wasserstand eines ruhigen Flusses vor. Stationarität bedeutet: Der Fluss schwankt immer um denselben mittleren Pegelstand, mal etwas höher, mal etwas tiefer – aber er steigt nicht dauerhaft an und wird auch nicht zunehmend unruhiger. Das Verhaltensmuster bleibt über die Zeit gleich.

Warum ist Stationarität für statistische Analysen wichtig?

Viele klassische Zeitreihenmodelle – darunter AR-, MA- und ARMA-Modelle – setzen Stationarität voraus. Schätzt man solche Modelle auf einer nicht-stationären Zeitreihe, können die Ergebnisse schwer interpretierbar oder schlicht irreführend sein. Besonders bekannt ist das Problem der Scheinregression (englisch: spurious regression): Zwei völlig unabhängige, aber trendbehaftete Zeitreihen können eine hohe Korrelation aufweisen, obwohl keinerlei inhaltlicher Zusammenhang besteht.

In der Praxis weisen viele wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Zeitreihen keine Stationarität auf – etwa Aktienkurse, BIP-Daten oder Bevölkerungszahlen. Solche Reihen enthalten oft einen Trend oder eine sich verändernde Varianz. Häufige Transformationen, um Stationarität herzustellen, sind:

  • Differenzenbildung: Man berechnet die Veränderungen von Periode zu Periode statt der absoluten Werte.
  • Logarithmierung: Stabilisiert eine wachsende Varianz.
  • Trendbereinigung: Ein geschätzter Trend wird aus der Reihe herausgerechnet.
Häufiger Fehler Stationarität wird oft schlicht vorausgesetzt, ohne sie zu überprüfen. Für einen formalen Test empfehlen sich der Augmented Dickey-Fuller-Test (ADF-Test) oder der KPSS-Test. Beide Tests prüfen Stationarität aus entgegengesetzten Richtungen und sollten idealerweise ergänzend eingesetzt werden.

Praxisbeispiel zu Stationarität

Angenommen, du analysierst die monatlichen Umsatzzahlen eines Online-Shops über drei Jahre hinweg. Die Rohdaten zeigen einen deutlich aufwärts gerichteten Trend – die Zeitreihe ist nicht stationär, da der Mittelwert systematisch ansteigt.

Um die Zeitreihe stationär zu machen, bildest du die erste Differenz: Statt des absoluten Umsatzes im Monat t verwendest du die monatliche Veränderung . Die transformierte Reihe schwankt nun ohne erkennbaren Trend um einen stabilen Mittelwert nahe null.

Tabelle 1. Originaldaten vs. erste Differenz (vereinfachtes Beispiel)
Monat Umsatz (in Tsd. €) Erste Differenz (ΔUmsatz)
Januar 100
Februar 108 +8
März 115 +7
April 121 +6
Mai 130 +9

Der ADF-Test auf den Originaldaten liefert keinen Hinweis auf Stationarität (kein signifikanter p-Wert), während die differenzierte Reihe den Test besteht. Erst auf dieser transformierten Reihe lässt sich dann sinnvoll ein ARMA-Modell schätzen.

Gut zu wissen Muss eine Zeitreihe einmal differenziert werden, damit sie stationär wird, spricht man von einem integrierten Prozess der Ordnung 1, kurz I(1). Dieser Zusammenhang ist zentral für ARIMA-Modelle, wobei das „I“ genau für diese Integrationsordnung steht.

Zeitreihenanalyse Stationarität ARIMA ADF-Test Differenzenbildung Scheinregression Autokovarianz Zeitreihe

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