STROBE
In diesem Beitrag
Was versteht man unter STROBE?
STROBE steht für Strengthening the Reporting of Observational Studies in Epidemiology und bezeichnet eine international anerkannte Checkliste zur standardisierten Berichterstattung von Beobachtungsstudien. Sie wurde 2007 von einer internationalen Expertengruppe entwickelt und im Fachjournal PLOS Medicine sowie weiteren Zeitschriften zeitgleich veröffentlicht.
Die STROBE-Checkliste umfasst 22 Punkte, die abdecken, welche Informationen in einer Publikation zu Beobachtungsstudien enthalten sein sollten. Die Punkte beziehen sich auf folgende Abschnitte einer wissenschaftlichen Arbeit:
- Titel und Abstract – Studiendesign klar benennen
- Einleitung – Hintergrund, Ziele und Fragestellung
- Methoden – Setting, Teilnehmende, Variablen, Datenquellen, Bias, Stichprobengröße, statistische Methoden
- Ergebnisse – Teilnehmerfluss, deskriptive Daten, Hauptergebnisse, weitere Analysen
- Diskussion – Zusammenfassung, Limitationen, Generalisierbarkeit, Interpretation
- Sonstiges – Finanzierung und Interessenkonflikte
STROBE gilt für drei klassische Studiendesigns in der Beobachtungsforschung: Kohortenstudien, Fall-Kontroll-Studien und Querschnittsstudien. Es existieren studiendesignspezifische Versionen der Checkliste, die in Details variieren.
Warum ist STROBE für statistische Analysen wichtig?
Beobachtungsstudien – also Studien ohne experimentellen Eingriff – sind in vielen Forschungsfeldern die am häufigsten verwendete Studienform. Sie liefern wichtige Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Expositionsfaktoren und Gesundheitsoutcomes. Gleichzeitig sind sie anfälliger für Verzerrungen (Bias) und Confounding als randomisierte kontrollierte Studien. Umso wichtiger ist es, dass die Methodik vollständig und transparent berichtet wird.
STROBE erfüllt dabei mehrere Funktionen:
- Transparenz: Lesende können die statistische Methodik, den Umgang mit fehlenden Werten oder die Adjustierung für Störvariablen nachvollziehen.
- Reproduzierbarkeit: Eine vollständige Berichterstattung ermöglicht es anderen Forschenden, die Analyse zu replizieren oder in Metaanalysen einzubeziehen.
- Qualitätsbewertung: Gutachtende und Herausgebende von Fachzeitschriften nutzen STROBE, um die Berichtsqualität einzuschätzen.
- Eigene Orientierung: Für Forschende, die eine Studie planen, dient STROBE bereits in der Konzeptionsphase als nützliche Orientierung.
Praxisbeispiel zu STROBE
Eine Doktorandin untersucht im Rahmen ihrer Dissertation, ob Schichtarbeit mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert ist. Sie führt eine Kohortenstudie mit Daten aus einem Gesundheitsregister durch und schreibt anschließend ein Manuskript für eine Fachzeitschrift.
Bevor sie einreicht, gleicht sie ihr Manuskript mit der STROBE-Checkliste ab. Dabei fällt ihr auf, dass sie im Methodenteil vergessen hat, folgende Punkte zu beschreiben:
- Wie sie mit fehlenden Werten in der Exposition (Schichtarbeit) umgegangen ist
- Welche potenziellen Confounder sie in das Regressionsmodell aufgenommen hat und warum
- Wie sie die Stichprobengröße festgelegt hat
Sie ergänzt diese Angaben entsprechend und fügt die ausgefüllte STROBE-Checkliste als Supplement bei – wie es viele Zeitschriften mittlerweile explizit fordern. Das Ergebnis: Das Manuskript ist für Gutachtende und Lesende deutlich leichter einzuschätzen, und die Wahrscheinlichkeit einer Rückfrage im Begutachtungsprozess sinkt erheblich.
| STROBE-Punkt | Abschnitt | Konkrete Anforderung |
|---|---|---|
| Punkt 7 | Methoden – Variablen | Outcome, Exposition und Confounder klar definieren |
| Punkt 9 | Methoden – Bias | Potenzielle Verzerrungsquellen benennen und beschreiben, wie damit umgegangen wurde |
| Punkt 12 | Methoden – Statistik | Statistische Methoden beschreiben, einschließlich Umgang mit fehlenden Werten |
| Punkt 16 | Ergebnisse – Hauptergebnisse | Adjustierte und unadjustierte Schätzer mit Konfidenzintervallen berichten |