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Statistik-Glossar

TLI

Tucker-Lewis Index · Non-Normed Fit Index (NNFI) · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter TLI?

Der Tucker-Lewis Index (TLI), auch als Non-Normed Fit Index (NNFI) bekannt, ist ein Maß zur Beurteilung der Modellpassung (engl. model fit) in der Strukturgleichungsmodellierung (SEM) und konfirmatorischen Faktorenanalyse (CFA). Er gibt an, wie gut ein theoretisches Modell die beobachteten Daten im Vergleich zu einem sogenannten Nullmodell erklärt.

Das Nullmodell (auch Basismodell genannt) ist das denkbar schlechteste Modell: Es nimmt an, dass alle beobachteten Variablen vollständig unkorreliert sind. Das Ziel ist es, zu messen, wie viel besser das eigene Modell im Vergleich zu diesem Extremfall abschneidet – und dabei gleichzeitig die Modellkomplexität zu berücksichtigen.

Formel des TLI

In dieser Formel steht für den Chi-Quadrat-Wert des eigenen Modells, für die zugehörigen Freiheitsgrade, für den Chi-Quadrat-Wert des Nullmodells und für dessen Freiheitsgrade. Durch die Division durch die Freiheitsgrade wird die Modellkomplexität ausgeglichen – das unterscheidet den TLI vom verwandten CFI.

Der TLI-Wert liegt theoretisch zwischen 0 und 1, kann in seltenen Fällen aber auch leicht außerhalb dieses Bereichs fallen. Als Faustregeln gelten:

  • TLI ≥ 0,95: guter Modellfit
  • TLI ≥ 0,90: akzeptabler Modellfit
  • TLI < 0,90: unzureichender Modellfit
Einfach erklärt: Stell dir vor, du baust ein Modell, das erklären soll, wie verschiedene Variablen zusammenhängen. Der TLI sagt dir: „Wie viel besser ist dein Modell als das schlechtestmögliche Modell – und lohnt sich diese Verbesserung angesichts der Komplexität, die du dafür eingebracht hast?“ Je näher der Wert an 1, desto besser passt dein Modell.

Warum ist der TLI für statistische Analysen wichtig?

Der TLI gehört zu den am häufigsten berichteten Fit-Indizes in der SEM-Forschung und wird in nahezu jeder CFA oder Pfadanalyse erwartet. Er ist besonders wertvoll, weil er im Gegensatz zu manchen anderen Indizes die Modellsparsamkeit belohnt: Ein komplexeres Modell wird nicht automatisch bevorzugt, sondern muss seinen Mehrwert rechtfertigen.

In der Praxis wird der TLI fast immer gemeinsam mit dem CFI (Comparative Fit Index), dem RMSEA und dem SRMR berichtet, da kein einzelner Index das vollständige Bild der Modellpassung liefert. Wenn TLI und CFI ähnlich hohe Werte zeigen, ist das ein gutes Zeichen für die Stabilität des Befundes.

Häufiger Fehler: Der TLI reagiert empfindlich auf kleine Stichprobengrößen. Bei sehr kleinen Stichproben (n < 100–200) können die Werte instabil sein oder das Modell schlechter aussehen lassen, als es tatsächlich ist. In solchen Fällen sollten die Ergebnisse vorsichtig interpretiert und durch weitere Indizes ergänzt werden.
Gut zu wissen: Der TLI wurde 1973 von Ledyard Tucker und Charles Lewis eingeführt. Die alternative Bezeichnung „Non-Normed Fit Index“ stammt von Bentler und Bonett (1980) und weist darauf hin, dass der Index – anders als normierte Indizes – nicht strikt auf den Bereich [0, 1] begrenzt ist.

Praxisbeispiel zum TLI

Angenommen, du untersuchst in deiner Masterarbeit ein Messmodell zur Arbeitszufriedenheit. Du hast 18 Items auf drei latente Faktoren verteilt (z. B. Autonomie, Anerkennung, Arbeitsklima) und führst eine konfirmatorische Faktorenanalyse durch. Die Softwareausgabe liefert folgende Fit-Indizes:

Tabelle 1. Beispielhafte Fit-Indizes eines CFA-Modells zur Arbeitszufriedenheit
Index Wert Grenzwert (gut) Bewertung
TLI 0,96 ≥ 0,95 ✓ Gut
CFI 0,97 ≥ 0,95 ✓ Gut
RMSEA 0,05 ≤ 0,06 ✓ Gut
SRMR 0,06 ≤ 0,08 ✓ Gut

Der TLI-Wert von 0,96 zeigt, dass dein Drei-Faktoren-Modell die Daten deutlich besser erklärt als das Nullmodell – und das bei angemessener Modellkomplexität. In deiner Arbeit würdest du schreiben: „Der TLI von .96 überschreitet den empfohlenen Grenzwert von .95 (Hu & Bentler, 1999) und weist auf einen guten Modellfit hin.“

Da TLI und CFI hier ähnlich hohe Werte zeigen und auch RMSEA sowie SRMR im akzeptablen Bereich liegen, kannst du insgesamt von einem gut passenden Modell sprechen.

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Maximilian Fuchs, M. Sc.

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