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Statistik-Glossar

Typ-II-Fehler

Type II Error / Beta-Fehler / Fehler 2. Art · Maximilian Fuchs · 24. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was versteht man unter Typ-II-Fehler?

Der Typ-II-Fehler (auch Beta-Fehler oder Fehler 2. Art genannt) beschreibt die Situation, in der ein statistischer Test die Nullhypothese nicht ablehnt, obwohl sie in der Realität falsch ist. Mit anderen Worten: Ein tatsächlich vorhandener Effekt wird vom Test nicht erkannt.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Typ-II-Fehler zu begehen, wird mit dem griechischen Buchstaben β (Beta) bezeichnet. Sie hängt direkt mit der sogenannten Teststärke (Power) zusammen:

Zusammenhang: Teststärke und Beta

Eine hohe Teststärke bedeutet also eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen Typ-II-Fehler. Typischerweise wird β auf 0,20 festgelegt, was einer Teststärke von 80 % entspricht.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du machst einen Schwangerschaftstest und das Ergebnis ist negativ – obwohl eine Schwangerschaft vorliegt. Das Testgerät hat den tatsächlich vorhandenen Zustand schlicht nicht erkannt. Genau das ist ein Typ-II-Fehler: Der Test „übersieht“ einen echten Effekt.

Warum ist der Typ-II-Fehler für statistische Analysen wichtig?

In der Praxis ist der Typ-II-Fehler besonders dann relevant, wenn das Nicht-Entdecken eines Effekts ernste Konsequenzen hätte – etwa in der medizinischen Forschung, wenn ein wirksames Medikament fälschlicherweise als unwirksam eingestuft wird.

Folgende Faktoren beeinflussen die Höhe von β und damit die Wahrscheinlichkeit eines Typ-II-Fehlers:

  • Stichprobengröße: Eine größere Stichprobe senkt β, weil der Test präziser wird.
  • Effektgröße: Große Effekte sind leichter zu entdecken als kleine. Bei kleinen Effekten steigt das Risiko eines Typ-II-Fehlers.
  • Signifikanzniveau α: Ein strengeres Signifikanzniveau (z. B. α = 0,01 statt 0,05) erhöht β, weil die Hürde für eine Ablehnung der Nullhypothese steigt.
  • Streuung der Daten: Hohe Varianz in den Daten erschwert den Nachweis eines Effekts.
Häufiger Fehler: Viele Forschende setzen ein nicht-signifikantes Ergebnis mit „kein Effekt vorhanden“ gleich. Das ist falsch. Ein nicht-signifikantes Ergebnis kann auch bedeuten, dass die Studie schlicht zu wenig Power hatte, um einen vorhandenen Effekt zu entdecken. Immer die Teststärke mitberichten!
Gut zu wissen: Typ-I-Fehler (α) und Typ-II-Fehler (β) stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Wer α senkt, um das Risiko eines falsch-positiven Befunds zu minimieren, erhöht automatisch β – und umgekehrt. Beide Fehlerarten müssen beim Studiendesign bewusst gegeneinander abgewogen werden.

Praxisbeispiel zu Typ-II-Fehler

Eine Pharmaforscherin möchte testen, ob ein neues Schmerzmittel wirksamer ist als das bisherige Standardpräparat. Sie formuliert ihre Hypothesen wie folgt:

  • H₀: Das neue Mittel ist nicht wirksamer als das Standardpräparat.
  • H₁: Das neue Mittel ist wirksamer.

Sie führt eine Studie mit nur 20 Probandinnen und Probanden durch. Der t-Test ergibt keinen signifikanten Unterschied (p = 0,12). Die Forscherin schlussfolgert, das neue Mittel sei nicht wirksamer.

Tatsächlich aber ist das neue Mittel wirksamer – der Effekt ist real, aber klein. Wegen der geringen Stichprobengröße hatte die Studie eine Teststärke von lediglich 45 %. Die Wahrscheinlichkeit, den tatsächlichen Effekt zu verpassen, lag also bei 55 %. Die Forscherin ist einem Typ-II-Fehler unterlegen.

Tabelle 1. Überblick über die vier möglichen Entscheidungssituationen im Hypothesentest
H₀ ist wahr H₀ ist falsch
H₀ wird nicht abgelehnt Richtige Entscheidung (1 − α) Typ-II-Fehler (β) ❌
H₀ wird abgelehnt Typ-I-Fehler (α) ❌ Richtige Entscheidung – Power (1 − β)

Eine a-priori Poweranalyse vor Studienbeginn hätte der Forscherin gezeigt, dass sie für einen kleinen Effekt bei α = 0,05 und einer angestrebten Power von 80 % mindestens etwa 200 Probandinnen und Probanden benötigt hätte.

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