Varianz
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Varianz?
Die Varianz ist ein Streuungsmaß, das angibt, wie weit die einzelnen Werte eines Datensatzes im Durchschnitt vom arithmetischen Mittelwert abweichen. Technisch gesprochen ist sie der mittlere quadratische Abstand aller Messwerte vom Mittelwert.
Man unterscheidet zwei Varianten je nach Kontext:
- Populationsvarianz : Wenn der gesamte Datensatz die vollständige Grundgesamtheit abbildet.
- Stichprobenvarianz : Wenn der Datensatz nur eine Stichprobe aus einer größeren Grundgesamtheit ist. Hier wird durch geteilt, um einen unverzerrten Schätzer zu erhalten (Bessel-Korrektur).
Populationsvarianz
Formel: Populationsvarianz
Formel: Stichprobenvarianz
Dabei steht für den jeweiligen Messwert, bzw. für den Mittelwert der Population bzw. der Stichprobe, und für die Anzahl der Beobachtungen.
Warum ist Varianz für statistische Analysen wichtig?
Die Varianz ist eines der zentralen Konzepte der Statistik. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche weiterführende Verfahren und Kennzahlen:
- Standardabweichung: Die Standardabweichung ist schlicht die Quadratwurzel der Varianz und wird häufig bevorzugt, weil sie dieselbe Einheit wie die ursprünglichen Daten hat.
- Regressionsanalyse: Methoden wie die Ordinary Least Squares (OLS)-Regression minimieren die Varianz der Residuen, um die bestmögliche Anpassung zu finden.
- Varianzanalyse (ANOVA): Bei der ANOVA wird die Gesamtvarianz in erklärbare und nicht erklärbare Anteile aufgeteilt, um Gruppenunterschiede zu testen.
- Inferenzstatistik: Viele Signifikanztests (z. B. t-Test, F-Test) bauen direkt auf der Varianz auf.
Praxisbeispiel zu Varianz
Eine Forscherin untersucht die wöchentliche Lernzeit (in Stunden) von fünf Studierenden. Sie erhebt folgende Werte:
| Studierender | Lernzeit (h) | Abweichung vom MW | Quadrierte Abweichung |
|---|---|---|---|
| A | 8 | −2 | 4 |
| B | 10 | 0 | 0 |
| C | 14 | +4 | 16 |
| D | 9 | −1 | 1 |
| E | 9 | −1 | 1 |
| Summe | 50 | — | 22 |
Der Mittelwert beträgt Stunden. Da es sich um eine Stichprobe handelt, wird die Stichprobenvarianz berechnet:
Berechnung der Stichprobenvarianz
Die Stichprobenvarianz beträgt also 5,5 h². Die zugehörige Standardabweichung wäre , also etwa 2,35 Stunden. Das bedeutet: Die Lernzeiten der Studierenden weichen im Durchschnitt um rund 2,35 Stunden vom Mittelwert von 10 Stunden ab.