Zeitverzögerung / Lag
In diesem Beitrag
Was versteht man unter Zeitverzögerung / Lag?
Ein Lag (dt. Zeitverzögerung) bezeichnet in der Zeitreihenanalyse den zeitlichen Versatz zwischen zwei Beobachtungen oder zwischen einer Variablen und einem früheren Wert derselben oder einer anderen Variablen. Man spricht davon, dass eine Variable um k Perioden „gelaggt“ wird, wenn man statt des aktuellen Werts zum Zeitpunkt t den Wert zum Zeitpunkt t − k verwendet.
Formal gilt für eine Zeitreihe mit dem Lag-Operator L:
Definition: Lag-Operator
Das bedeutet: Der um k Perioden verzögerte Wert von X ist der Wert, den X genau k Zeitschritte zuvor hatte. In der Praxis kann k z. B. für Tage, Wochen, Monate oder Jahre stehen.
Warum ist Zeitverzögerung / Lag für statistische Analysen wichtig?
Viele Zusammenhänge in der Realität wirken nicht sofort, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung. Ein Lag erlaubt es, solche verzögerten Effekte sichtbar zu machen und statistisch zu modellieren. Typische Anwendungsfelder sind:
- Autoregressive Modelle (AR-Modelle): Hier wird eine Variable durch ihre eigenen vergangenen Werte erklärt – also durch ihre eigenen Lags.
- Kreuzkorrelation: Sie misst, wie stark zwei Zeitreihen miteinander zusammenhängen, wenn eine davon zeitlich verschoben wird.
- Kausalitätsanalysen (z. B. Granger-Kausalität): Lags helfen zu prüfen, ob vergangene Werte einer Variable zukünftige Werte einer anderen Variable vorhersagen.
- Paneldaten und Regressionsmodelle: Verzögerte Variablen werden als Regressoren eingesetzt, um zeitlich versetzte Einflüsse zu kontrollieren.
Praxisbeispiel zu Zeitverzögerung / Lag
Eine Forscherin untersucht, ob die monatlichen Werbeausgaben eines Unternehmens die Verkaufszahlen beeinflussen. Da Werbung erfahrungsgemäß nicht sofort wirkt, vermutet sie einen Effekt mit einer Verzögerung von einem bis zwei Monaten. Sie erstellt daher eine Tabelle mit den Originalwerten und den entsprechenden Lags:
| Monat (t) | Werbeausgaben (in €) | Werbung Lag 1 (t−1) | Werbung Lag 2 (t−2) | Verkäufe (in €) |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 10.000 | – | – | 95.000 |
| Februar | 12.000 | 10.000 | – | 98.000 |
| März | 9.000 | 12.000 | 10.000 | 104.000 |
| April | 15.000 | 9.000 | 12.000 | 99.000 |
| Mai | 13.000 | 15.000 | 9.000 | 112.000 |
In einer Regressionsanalyse setzt die Forscherin nun die Verkäufe als abhängige Variable und die Lag-1- sowie Lag-2-Werte der Werbeausgaben als unabhängige Variablen ein. So kann sie prüfen, welcher verzögerte Effekt statistisch signifikant ist – und wie viele Monate es dauert, bis Werbeinvestitionen tatsächlich auf die Verkaufszahlen durchschlagen.